Fachberatung: Wenn die Blase schwächelt

21.08.2017

Blasenschwäche ist gerade im Alter häufig verbreitet. Lilian Oklé findet als Inkontinenz- und Stoma-Therapeutin der Spitex Bachtel Lösungen, welche die Lebensqualität der Betroffenen deutlich verbessert.

Stephan Hübscher*), 85, hat Lilian Oklé zu einem vertraulichen Gespräch eingeladen. Er betreut seine Frau Rosemarie, 83, die an Demenz erkrankt ist. Was den Hübschers zu schaffen macht: Rosemarie leidet an Blasenschwäche. Vor allem am Morgen sind Unterwäsche und Schlafanzug eingenässt.

Lilian Oklé arbeitet bei der Spitex Bachtel. Sie ist ausgebildete Inkontinenz- und Stoma-Therapeutin und als Fachexpertin im ganzen Einzugsgebiet der Spitex Bachtel unterwegs.

Mit viel Fingerspitzengefühl, grossem Respekt vor den Mitmenschen und jahrelanger Erfahrung führt Oklé durch das Gespräch. Sie erkundigt sich nach Trinkgewohnheiten, nach allfälligen ärztlichen Abklärungen und nach Medikamenten, die vielleicht eingenommen werden. Stephan Hübscher gibt zögernd Auskunft. Über die Blasenschwäche seiner Frau zu sprechen, fällt ihm schwer.

«Über Ausscheidungen zu sprechen, ist nach wie vor ein Tabuthema», sagt Oklé. Doch manchmal sei der Druck von Familienangehörigen oder von den Betroffenen so gross, dass sie ein Gespräch mit der Expertin suchten. Die Familie Hübscher ist kein Einzelfall. «Jede vierte Frau und jeder zehnte Mann leidet an Blasenschwäche», erklärt Oklé.

Trinkrhythmus anpassen, Wecker stellen
Hübschers Antworten auf die Fragen geben der Expertin Anhaltspunkte, um welche Art von Inkontinenz es sich handeln könnte. «Die Ursachen und die empfohlenen Massnahmen sind sehr unterschiedlich.» Manchmal genüge es, den Trinkrhythmus anzupassen, abends weniger zu trinken und vor dem Schlafen nochmals die Toilette aufzusuchen. Gelegentlich empfiehlt sie, sich einen Wecker zu stellen. Manchmal helfen spezielle Einlagen. Es kommt auch vor, dass sie einen Besuch bei einer Ärztin oder einem Arzt empfiehlt. «Wir arbeiten eng zusammen.»

Ziel ihrer Beratung ist stets, eine möglichst hohe Selbständigkeit der Betroffenen. «Es ist mir ein Anliegen, dass meine Kunden sich nicht zu Hause verstecken, sondern am gesellschaftlichen Leben teilnehmen können.» Es habe noch nie einen Fall gegeben, bei dem sie nicht wenigstens etwas Linderung habe bewirken können.

Auch Stephan Hübscher fällt ein Stein vom Herzen. Die gemeinsam festgelegten Massnahmen sind umsetzbar. Er ist froh, dass Oklé in einer Woche nochmals vorbeikommen und die Wirkung überprüfen will.

 

*) Name geändert

Zurück