Tipp: Leerer Krug bis zum Abend

15.06.2017

Im Alter lässt auch das Durstgefühl nach. Doch gerade in den Sommermonaten ist es wichtig, ausreichend zu trinken.

«Trinken Sie noch einmal», ermuntert Ottilia Dreier von der Spitex Bachtel Frau G., 94. Frau G. trinkt das Glas langsam aus. Etwas später haben die Kopfschmerzen etwas nachgelassen, ihr geht es insgesamt besser.

Die Spitex Bachtel besucht Frau G. täglich. Das Duschen geht nicht mehr selbständig, und sie braucht Unterstützung mit den Medikamenten. Nur ausnahmsweise ist heute die gelernte Pflegefachfrau Ottilia Dreier und Zentrumsleiterin Rüti bei Frau G. Schon bei der Begrüssung klagte Frau G. über Schwindel und Kopfschmerzen. «Ausserdem bin ich im Wohnzimmer gefallen.»

Frau G. sitzt im Lesestuhl und schaut auf die Armmanschette des Messgeräts. Tiefer Blutdruck, hoher Puls, diagnostiziert Dreier. Die anhaltende Hitzeperiode macht Frau G. zu schaffen, und sie trinkt offensichtlich zu wenig.

Idealerweise 2,5 Liter Flüssigkeit am Tag
Mit zunehmendem Alter sendet der Körper weniger deutlich Signale aus, dass er Flüssigkeit braucht. Mundtrockenheit, trockene Haut, Schwäche, Schwindel oder Verwirrtheit können anzeigen, dass Flüssigkeit fehlt. Weitere Hinweise geben Blutdruck und Puls. «Gesunde ältere Menschen sollten täglich 1,5 bis 2,5 Liter Flüssigkeit zu sich nehmen», empfiehlt Dreier. Zudem wasserreiches Obst und Gemüse wie Melone oder Zucchini.

Doch was soll man trinken? «Was man mag, nimmt man zu sich.» Besonders beliebt sei kalter Tee, zubereitet mit frischen Kräutern. «Abwechslung bei Getränken oder Geschmacksrichtung hilft, dass mehr getrunken wird.» Der Tee soll ungesüsst bleiben. «Wir nehmen sonst schon genug Zucker zu uns.» Dreier rät, die Trinkmenge mit dem Arzt zu besprechen, wenn jemand an Nieren-Herz- oder Kreislauferkrankungen leidet oder bestimmte Medikamente einnehmen muss.

Gut sichtbares Angebot
Wie misst man die Flu¨ssigkeitsmenge? Trinkprotokolle seien im Alltag meistens untauglich. «Wir stellen einen vollen Krug gut sichtbar hin. Ist er abends leer, haben wir eine einfache Kontrolle.» Dreier empfiehlt, die Trinkmenge auf den Tag zu verteilen, jedoch das Trinken am fru¨hen Abend nicht zu forcieren. «Sonst muss man nachts aufstehen. Das stört die Nachtruhe.»

Ottilia Dreier verabschiedet sich von Frau G. und motiviert sie nochmals zu trinken. Nach der Ru¨ckkehr ins Zentrum Ru¨ti ordnet sie fu¨r den Abend einen zusätzlichen Kontrollbesuch an. Die Ru¨ckmeldung kommt prompt: Frau G. hat den Krug leer getrunken. Kopfweh und Schwindel sind weg, Blutdruck und Puls wieder normal.

 

Trinktipps für den Sommer

  • täglich 1.5 bis 2.5 Liter trinken
  • wasserreiches Obst und Gemüse essen
  • Lieblingsgetränk zubereiten
  • wenig oder nicht gesüsste Getränke
  • täglich vollen Krug gut sichtbar bereitstellen
  • Trinkmenge auf den Tag verteilen
  • Trinken am Abend nicht forcieren
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